Züchterische Hybridisierung

Anmerkungen von Thomas Hoof

Die züchterische Hybridisierung hat – nachdem sie beim Mais schon in den 50er und beim Geflügel in den 70er Jahren begonnen hatte – beim Gemüse erst in den letzten fünfzehn Jahren richtig und mit Rasanz eingesetzt. Mittlerweile hat sie bis auf die Bohnen und Erbsen alle marktgängigen Gemüse erfasst.

Sie besteht – um es mit scherenschnittartiger Vereinfachung zu sagen – darin, die degenerative Wirkung der Inzucht von Elternlinien über mehrere Generationen in der ersten Filialgeneration (F1) in einen sogenannten Heterosis-Effekt münden zu lassen: Die Pflanzen dieser Generation explodieren im Ertrag und sind völlig einheitlich. Beides ist allerdings ein Knalleffekt, denn die Eigenschaften können nicht fixiert werden, und schon die F2-Generation „spaltet wieder auf“, baut ab und zeigt völlig neue, praktisch immer unerwünschte Eigenschaften.

Es ist also nicht so, daß – wie oft behauptet – das F1-Hybridsaatgut steril wäre, aber man kann im Nachbau damit schlicht nichts anfangen. Massenertrag und Einheitlichkeit der Gemüse sind also das Einmal-Ergebnis eines ansonsten substanzzehrenden Prozesses, der außer mit hohem labortechnischem Aufwand auch mit dem Verlust an genetischem Potential bezahlt werden muß.

Es scheint so, daß schon die Methode zu rein quantitativen Effekten führt, denn qualitative Eigenschaften wie Proteingehalt, Gehalt an ätherischen Ölen – ziehen offenbar nie mit. Bereits in der Methode liegt also eine genetische Drift zur Geschmacksverarmung.

Dazu kommen die Züchtungsziele: Sie sind eindeutig und immer gerichtet auf: hohen Masseertrag, Überlokalität und Bodenunabhängigkeit beim Anbau, Herbizid Resistenz, Spritzmittel Verträglichkeit, Mineraldüngerverträglichkeit und hohe Ansprechbarkeit auf Düngerzufuhr, kurze Entwicklungszeiten bei gleichzeitiger Abreife, Erntemaschinengerechtigkeit, Formbildung nach Verpackungsmaßen usw. Während die Gemüse von außen immer makelloser und gleichförmiger werden, werden sie nach innen immer ärmer an Geschmack und Aroma. Beides hat denselben Grund: F1-Hybridisierung. Allein diese rapide Geschmacksverarmung ist für uns ein Grund, tätig zu werden; sie ist immens und erschütternd, wenigstens dann, wenn eine Gewöhnung noch nicht eingetreten ist. All unsere Verkostungen haben das ergeben.

„Während die Gemüse von außen immer makelloser und gleichförmiger werden, werden sie nach innen immer ärmer an Geschmack und Aroma.“

Es gibt etliche weitere Gesichtspunkte, unter denen man diesen Prozeß (der im Übrigen die Grenzen zur Gentechnik mit der Protoplasmenfusion immer mal wieder tangiert oder überschreitet) kritisieren kann: Die Kompetenzverlagerung in die Hände weniger großer Agrarchemiekonzerne, die steigende Abhängigkeit der Gärtner und Bauern, der wichtigste scheint uns aber zu sein: die weitere „Fragilisierung“ der lebenswichtigen Lebensmittelerzeugung zugunsten kurzfristiger Ertrags- und Preiseffekte.

Bio und F1-Hybriden

Die Bio-Szene leidet mittlerweile erheblich unter dem nicht unberechtigten Vorwurf, daß ihre Produkte keinerlei Geschmacksvorteile bieten. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Bio-Bauern und -Gärtner arbeiten mit denselben Sorten wie ihre konventionellen Kollegen. Der Einsatz von F1-hybriden Gemüsesorten, von hybriden Hühnerrassen usw. wird zwar immer wieder kritisch diskutiert, aber im Alltag dann doch einfach vollzogen. Allein der Demeter-Verband übt seine Skepsis auch praktisch und versucht eine eigene Züchtung aufrechtzuerhalten.

Zellhunger an vollen Töpfen

Die Produktion unserer Nahrungsmittel ist in den letzten 50 Jahren leider einigen sehr zerstörerischen Aspekten unterlegen. Die viel gepriesenen Agrarreformen zeigen deswegen meist auch keine Revolutionen zum Guten, Sie offenbaren eher den Niedergang der inneren Qualität der Produkte, ihre genetische Verarmung, Geschmacklosigkeit und den Verlust genetischer Vielfalt. All dies zugunsten sehr hoher Erträge, einer verlässlichen Optik, Pestizidresistenz und Anpassung an Vorlieben der Märkte in Form und Oberflächen. Die rein masseorientierte Produktivität, vernachlässigt die Qualität der Inhaltstoffe leider meist völlig. So sind durch Sortenauswahl und Zucht „leer Lebensmittel“ geworden, deren Nährqualität erschreckend gering ist. Komplexe Moleküle kommen bald gar nicht mehr vor.

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